Rezension: „Bozzetto“


„Bozzetto“

Hermann Alexander Beyeler & Gerd J. Schneeweis
Kindle Edition [klick], ASIN: B00O46IXDC, € 19,99
Hardcover-Buch [klick], ISBN: 978-3863370695, € 22,90
Hörbuch [klick], ISBN: B00O43PNS8, € 26,02
587 Seiten
Verlag: weissbooks.w
erschienen: Oktober 2014
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 16 Jahre

Mein herzlicher Dank geht an die Agentur Literaturtest, die mir ein Rezensionsexemplar überlassen hat.

Die Autoren:
Hermann Alexander Beyeler

Geboren 1952 in der Nähe von Luzern, Kunstsammler, Galerist, Mäzen, Autor. Verfolgt seit vielen Jahren das Projekt Bozzetto, das er nun zusammen mit dem Schriftsteller Gerd J. Schneeweis zu einem Roman verdichtet hat. Beyeler lebt in und bei Luzern am Vierwaldstättersee.
Gerd J. Schneeweis
Geboren 1947 in Bad Orb, nach juristischem Examen lang als Rechtsanwalt tätig. Lebt heute als freier Schriftsteller in Oberösterreich. Der Bozzetto ist sein »Lebensthema«, nachdem er vor mehr als 25 Jahren den Entwurf des Michelangelo gesehen hat, der ihn bis heute gefangen hält.
(Quelle: http://www.bozzetto-dasbuch.de/)

Inhalt:
Drei Männer und eine Frau auf der Suche nach dem „Bozzetto“.
Der Bozzetto ist der Entwurf, den Michelangelo für sein Gemälde „Jüngstes Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle in Rom auf einer vergleichsweise kleinen Holztafel angefertigt hat. Anfangs stand auch diese „kleine Ausgabe“ des Wandgemäldes im Vatikan, doch dann hat ein Kardinal den Bozzetto verschenkt und diese Holztafel geht durch viele Hände, ist unglaublich kostbar – ist sie doch ein echter Michelangelo -, bringt aber auch viel Leid. Er scheint eine ganz eigene Magie zu entwickeln und Habgier und Machtbesessenheit zu bestrafen.
Hans A. Bilgrin hat es sich zum Ziel gesetzt den Bozzetto zu finden und ihn an seinen ursprünglichen Platz im Vatikan zurückzubringen. Hilfe bekommt er dabei von Max und Alois, später auch noch von Sofie. Der derzeitige Besitzer des Bozzetto ist schnell gefunden, aber verkaufen möchte der ihn nicht. Um mehr herauszufinden versuchen sie die Geschichte und den Weg des Bozzetto herauszufinden.
Aber sie sind nicht die einzigen, da ist noch eine Gruppe ehemaliger Nazis, die ein starkes eigenes Interesse haben den Bozzetto in ihre Hände zu bekommen und dafür gehen sie durchaus über Leichen.

Meine Meinung:
Das Buch ist im Genre „Thriller“ eingeordnet. Ein Thema, das ich nur selten lese. Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch auf der Buchmesse Frankfurt im Oktober, dort hatte es einen eigenen Stand und was mir da über den Inhalt des Buches erzählt wurde, hat mich sehr neugierig gemacht, obwohl ich mit Kunst und Geschichte noch weniger „am Hut“ habe, als mit Thrillern. Deswegen ist es dann auch bei mir eingezogen. Es ist ein recht dickes (587 Seiten) Hardcoverbuch mit einem, wie ich finde sehr schönen Schutzumschlag, auf dem der Vatikan zu sehen ist und ein Gesicht. Der Titel ist hervorgehoben/geprägt und glänzt. Und es hat ein Lesebändchen, was ich immer ganz besonders liebe.
Es besitzt sogar eine eigene Homepage [klick] und dort ist unter anderem auch das Fresko von Michelangelo zu sehen, um dessen Entwurf es hier geht. Ich habe das Bild während des Lesens gegoo..lt . Es lohnt sich auf jeden Fall das Bild (wenn man es noch nicht kennt) anzuschauen, denn einige Details aus dem Bild werden auch im Laufe der Geschichte immer mal erwähnt.
Das Buch startet mit einem Prolog im Oktober 1541. Hier erfährt der Leser ein bisschen was über Michelangelo und wie es dazu kam. Danach geht es mit „Hinweisen zu wichtigen Personen und Abkürzungen“ weiter. So etwas mag ich immer, vor allen Dingen, wenn es wirklich einiges an Abkürzungen und Charakteren in einem Buch gibt.
Dann steigt man in die eigentliche Geschichte ein. Sie startet im Dezember 2012, also in der Gegenwart. Es beginnt sehr interessant und die ersten 100 Seiten sind nur so verflogen, dann wurde es für mich persönlich etwas langatmiger. Die Geschichte, die dahinter steckt war nach wie vor fesselnd aber der Schreibstil hat die Spannung doch stellenweise ganz schön ausgebremst. Da waren recht viele Namen, dann gab es immer mal wieder viel Geschichte (ich sagte ja schon, das ist gar nicht mein Ding). Hin und wieder gab es auch Zeitsprünge und relativ viele Ortswechsel. Die einzelnen Kapitel sind fast alle recht kurz gehalten, manche haben nur zwei Seiten, eins hat sogar nur ganze acht Sätze – dadurch konnte sich für mich persönlich oft keine richtige Spannung aufbauen. Das Thema ist absolut spannend und außerdem hochbrisant, aber irgendwie kommt das im Schreibstil nicht so richtig rüber. Es kam mir stellenweise so vor, als ob mir jemand diese Geschichte relativ emotionslos erzählt. In einer immer gleichbleibenden Tonlage, ohne die Stimme zu heben oder zu senken. Wisst Ihr, was ich meine?
Und neben dem eigentlich hochbrisanten Thema, das mir alleine schon bei dem Gedanken daran, dass nur ein Bruchteil davon wahr sein könnte das Blut in den Adern gefrieren lässt, kommt auch wirklich noch ein Thriller-Aspekt hinzu. Denn da sind ja noch diejenigen, die über Leichen gehen, um selbst an den Bozzetto zu kommen. Aber auch hier hätte das sicher noch spannender erzählt werden können.

Mein Fazit:
Ein sehr interessantes und hochbrisantes Thema, das in meinen Augen deutlich spannender umgesetzt sein müsste, um es zu einem echten Thriller zu machen. Dennoch kann einem der Gedanken, dass auch nur ein Bruchteil dieser Geschichte wahr sein könnte, das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Meine Wertung:
2 von 5 Herzen – weil ich persönlich einfach nicht wirklich gepackt wurde, obwohl das Thema hochspannend ist.

 

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3 Gedanken zu „Rezension: „Bozzetto“

  1. Pingback: Rezension: “Buchplaudereien” | Bozzetto – Das Buch

  2. Die ersten und sehr guten Rezensionen auf amazon.de stammen wohl alle aus dem Verlag selbst oder vom Verlag nahestehenden Personen. Nach und nach kam dann die Wahrheit doch zum Vorschein. Der schließe auch ich mich an:

    Mit Geld und guten Beziehungen lässt sich offenbar ein fragwürdiges Manuskript an den Auswahlkriterien deutscher Literaturverlage vorbeischleusen, spätestens aber beim Leser machen die Manipulationsversuche halt. Hermann Alexander Beyeler und Gerd J. Schneeweis, die Verfasser des vorliegenden Romans, haben es trotzdem versucht. Ihr Kunst-Thriller ‹Bozzetto› erzählt die Geschichte zweier Männer, die dem Geheimnis eines verschwunden Bildentwurfs, einer Holztafel von Michelangelo, nachgehen. Ihnen in den Weg stellen sich die Mitglieder einer angeblich heute noch bestehenden Naziorganisation. Sachwissen zum Thema Michelangelo, historische Schauplätze mischen sich dabei mit Fantasie, ein paar Verschwörungstheorien und Halbwahrheiten. ‹Bozzetto› ist somit Fiction. Das geht ja in Ordnung. Aber Achtung! Fiction wie die Non-Fiction unterliegen literarischen Gesetzen. Eines davon lautet: Verkaufe den Leser nicht für dumm! Die Hobbyautoren Beyeler und Schneeweis haben sich auch an diese Grundregel nicht gehalten: So mangelt es dem Roman nebst Glaubwürdigkeit und Plausibilität auch an Stil. So richtig peinlich wird die Geschichte aber, wenn die Verfasser auf die magischen Kräfte der Holztafel zu sprechen kommen. Böse Kräfte sollen ihr innewohnen, die jedem, der dem Werk nachstellt, Unglück, Tod und Verderbnis bringt. Die Effekthascherei, diese bizarre Inszenierung böser Mächte, sind nicht nur kitschig und überflüssig, sie sind vor allem Ausdruck einer unausgegorenen Erzählkultur.
    Beyeler und Schneeweis haben ein kleines Vermögen ausgegeben, um ihr Buch auf den Markt zu bringen. Die Auflage soll 25’000 Exemplare betragen haben. An der Frankfurter Messe 2014 wurde ein 36 Quadratmeter großer Verkaufsstand hingestellt, bestückt mit Fotografen und Statisten in Robe. Für die stündlichen Lesungen zog man einen Schauspieler herbei und zur Vermarkung des Romans wurde eigens ein Experte beordert. Hinzu kommen kostspielig Auftritte im Internet, bedruckte Tragtaschen und anderer Schnickschnack mehr. Natürlich ließ auch das Hörbuch nicht auf sich warten. Das ist einen erstaunlicher Aufwand für ein Erstlingswerk. Besser ist es damit nicht geworden. Ansprechende Literatur, und das ist hier die einzige, gute Nachricht, lässt sich nicht mit Geld zwingen.

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